Roland Stöttinger | Cutter
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Roland Stöttinger | Cutter

Februar 2018

„Eine Mischung aus Psychiater und Architekt“

 

Roland Stöttinger – ein Name, der sich hinter vielen interessanten österreichischen Filmproduktionen verbirgt. Tatsächlich agiert er als Cutter im Hintergrund, im Verborgenen, im dunklen Schnittraum, in dem er mitunter Monate oder gar Jahre verbringt, bis ein fertiger Film das Licht des Projektors erblickt. Zwei seiner Herzensprojekte feiern in Kürze ihre österreichische Kinopremiere: Atelier de conversation (R: Bernhard Braunstein) und Ugly (Juri Rechinsky). Mit Cinema Next sprach der Cutter über seine Arbeitsweise, über Geltungsbedürfnis im Beruf und über den Weihnachtsmann.

Aufgewachsen ist der 1984 geborene Roland Stöttinger auf einem Vierkantbauernhof am Ende der Welt, wie er selbst sagt. Sein Vater führte ein Geschäft für landwirtschaftliche Ersatzteile und Spielwaren in Wels. „Ich bin sozusagen im Schlaraffenland groß geworden. Es gab Natur und jede Menge Spielzeug.“ Noch vor den ersten filmischen Gehversuchen mit Freunden auf einem AHS-Gymnasium drehte er zwischen seinem 13. und 17. Lebensjahr mit seinen Brüdern Filme auf Hi-8, die er in der Kamera geschnitten hat – „so Zeug, das Jungs gut finden: kitschige Lichtschwertkämpfe à la Star Wars und Mission-Impossible-Action“.

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Wels-Hollywood: The Beginning …

Da er seine technische Begabung am Computer einzuschätzen wusste und sich anfangs vor allem für Effekte und weniger für Dramaturgie interessierte, besuchte er die SAE, wo er sich in 3D-Animation und Compositing versuchte. Relativ schnell erkannte er, dass das „hinausgeschmissenes Geld“ war und ging zurück nach Oberösterreich, um als Grafiker zu arbeiten – und ohne zu wissen, was er mit seinem Leben anfangen sollte, wie er retrospektiv zugibt. „Ohne Jobaussicht bin ich nach Wien gezogen, hab’ ein, zwei Jahre vor mich hingelebt, Publizistik studiert und mich dann auf der Filmakademie für Schnitt beworben.“

Ein mühsamer Aufnahmeprozess, wie er sich erinnert: Drei Versuche hat Roland unternommen, bis er auf der Filmakademie schließlich angenommen wurde. „Im ersten Jahr war ich in der letzten Runde unter den letzten drei, im zweiten Jahr wurde ich nicht einmal in die zweite Runde eingeladen. Aber das zweite Bewerbungsvideo war auch so pathetisch, als wäre gerade ein Nobelpreisträger gestorben. Im dritten Jahr hab’ ich es dann so gemacht wie im ersten, dann hat’s geklappt.“

Der zweite Versuch: Rolands pathetisches Bewerbungsvideo für die Filmakademie, mit dem er nicht einmal die erste Auswahlrunde überlebt hat.

Einen Mentor, der ihm gezeigt hätte, wie man den Schnitt angeht oder wie diese Kunst tatsächlich funktioniert, hat Roland an der Filmakademie nie gefunden. Dass man Schnitt beibringen oder erlernen kann, glaubt er ohnehin nicht. „Man lernt bei jedem Projekt neu, jeder Film braucht was anderes. Wir befinden uns in einer Zeit, in der es keine Regeln mehr gibt – die wurden schon vor mir alle gebrochen, da bin ich zu spät dran. “

Den persönlichen Gewinn durch das Studium erkennt Roland heute in der Spielwiese, die die Filmakademie den Studenten zur Verfügung stellt – Studio, Kameras, Schnittplätze –, vor allem aber in den Kontakten, die er in dieser Zeit geknüpft hat. „Wertvoll waren hauptsächlich die Menschen, mit denen man dort groß geworden ist: Weil es so schwierig ist, da rein zu kommen, weiß man, dass die alle genauso geschwitzt haben wie man selbst. Das verbindet und deshalb geht man leichter Risiken zusammen ein.“

In seiner Anfangszeit als Cutter hat Roland jahrelang im Videoteam von Xjam, einer organisierten Maturareise, gearbeitet, wo das Team jeden Tag eine Sendung produzierte, die abends vor 3000 Leuten gezeigt wurde: „Da hab’ ich sehr viel gelernt. Auch wenn wir die ganze Nacht Party gemacht haben, war die Sendung trotzdem immer rechtzeitig fertig. Es war wichtig, schnell Entscheidungen zu treffen. Und da man am Abend vor Publikum mitfühlen konnte, was funktioniert, war das sehr lehrreich für mich.“ Auch fürs Fernsehen hat Roland gearbeitet. Bei der TV-Show Die große Chance hat er sich über drei bis vier Jahre zu einer Art Chefcutter hochgearbeitet, der dann mit den Verantwortlichen vom ORF bei der Schlussabnahme der Sendung saß. „Wenn man das aus der ersten Reihe mitmacht und sieht, welcher Fake da betrieben wird, verliert man die Lust, an solchen Formaten mitzuarbeiten. Seitdem bin ich gewillt, mehr fürs Kino zu tun. Oder anders gesagt: Ich suche mir Projekte nicht mehr primär danach aus, wie viel Geld ich damit verdiene.“

Eine Einstellung, die bei den älteren Cuttern immer für blankes Entsetzen sorgt – zu Recht, wie Roland inzwischen einsieht: „Wenn man aus Idealismus viel umsonst arbeitet, drückt man die Preise. Das habe ich erst vor Kurzem verstanden.“ Inzwischen stellt er sich diesbezüglich geschickter an, kann von seinem Beruf leben und macht auch die eine oder andere Werbung, um sich Herzensprojekte zu finanzieren: „Ich mach’ zwischendurch Werbung, ich hab’ da so ein paar Nummern, da bekommt man eine gute Tagesgage und davon ist schnell mal eine Miete gezahlt.“ Erst kürzlich hat er einen Clip mit Fredrik Wenzel realisiert, dem Kameramann von Ruben Östlunds The Square (SWE/DE/FR/DÄN 2017) und Force Majeure (SWE/FR/NOR/DÄN 2014). „Die Zusammenarbeit war super spannend, weil die genau wussten, was sie tun. Das war eine kurze intensive Arbeit und hat Spaß gemacht, aber das wird mich in meinen Träumen nicht weiter begleiten.“

„Ich versuche Leben und Imperfektion reinzubringen,
damit der Film sich nicht wie ein Drehbuch anfühlt.“

Auf die Frage nach beruflichen Vorbildern verfällt Roland in betretenes Schweigen: „Es ist ja schrecklich, dass ich bei den wenigsten Filmen weiß, wer sie geschnitten hat. Ich mag die Arbeit von Joe Walker sehr, der schneidet die Filme von Denis Villeneuve (Arrival, USA 2016, und Blade Runner 2049, USA/GB/HUN/CAN 2017) und Steve McQueen (12 Years a Slave, USA/GB 2013). Ich mag auch Sachen wie etwa Edgar Wrights Scott Pilgrim vs. the World (USA/GB/CAN/JAP 2010) – da würden Laien sagen, der ist gut geschnitten, obwohl das mit Schnitt nicht mehr viel zu tun hat, sondern eher ein Storyboard ist.“

Auch wenn er darin natürlich eine Qualität erkennt, ist Roland im Moment nicht von Filmen berührt, bei denen alles präzis geplant ist. Die Filme von Wes Anderson etwa sind ihm zu leblos. Er versteht zwar, warum Menschen das mögen, kann damit aber selbst nichts anfangen. „Ich mag’s nicht, wenn man das Buch spürt. Dagegen versuche ich immer anzukämpfen, versuche Leben und Imperfektion reinzubringen, damit der Film sich nicht wie ein Drehbuch anfühlt.“

Mit Drehbüchern hat Roland es ohnehin nicht so: Zu den wenigsten Projekten, an denen er bisher gearbeitet hat, gab es eins, meistens existierte gerade mal ein grobes Konzept. „Interessanterweise habe ich oft sehr dokumentarische Filme gemacht, selbst die Spielfilme – außer Chucks (AT 2015, R: Sabine Hiebler und Gerhard Ertl) vielleicht. Der war der Einzige, bei dem es ein richtiges Drehbuch gab, aber das finale Ergebnis hat sich auch hier stark vom Buch unterschieden.“

„Beim Dokumentarfilm ist Dramaturgie vordergründiger. Bei Spielfilmen ist es eher diese kleine, feine Klinge, die zur Geltung kommt.“

Roland ist sich nicht sicher, ob es dem Zufall oder seiner Person geschuldet ist, dass oft undefinierte Projekte den Weg zu ihm finden. Bei Heimweh (AT 2017, R: Ervin Tahirovic), der den Besuch des 1992 aus Bosnien geflüchteten Regisseurs in dessen einstiger Heimat dokumentiert, bestand das Konzept großteils aus „Rückkehr mit der Kamera an jenen Ort, von dem man vor über 20 Jahren vertrieben wurde“. Alles andere entwickelte sich später, die Dramaturgie entstand in Kollaboration von Regie und Schnitt. 

Selbst bei den Kurzfilmen bekam Roland oft die Ansage: „Hier ist das Material, schau mal, was man daraus machen kann.“ Bei Pitter Patter Goes My Heart (AT 2015) gab es zwar eine erste Schnittfassung von Regisseur Christoph Rainer, doch diese fand Roland schrecklich – was Christoph wiederum amüsant fand, sodass die beiden diese Version zerstörten und zusammen etwas Neues entstehen ließen. Auch bei Erdbeerland (AT 2012) von Florian Pochlatko (mit dem er mehrere Musikvideos realisiert hat) gab es zwar ein Konzept, aber die Struktur des Films wurde erst im gemeinsamen Arbeitsprozess gefunden.

Roland hat keine Präferenz, ob er Dokus oder Spielfilme schneidet: „Die Mischung macht’s. Bei beiden Gattungen geht’s ums Geschichtenerzählen – beim Dokumentarfilm ist Dramaturgie vordergründiger, bei Spielfilmen ist es eher diese kleine, feine Klinge, die zur Geltung kommt.“

Pitter Patter Goes My Heart (AT 2015, R: Christoph Rainer, 21 min)

Erbeerland (AT 2012, R: Florian Pochlatko, 35 min)

Auch wenn es einige Regisseure gibt, die selbst schneiden, hält Roland es für enorm wichtig, dass es jemanden wie ihn gibt, der zum Material kein starkes emotionales Verhältnis hat; dem es egal ist, wie schwierig die Herstellung war, weil man dann den Blick dafür behält, was man wirklich braucht, damit der Film funktioniert. Seine Arbeitsweise besteht darin, das Material zunächst immer erst einmal allein zu sichten und seine erste Fassung zu montieren. Eine Schnittfassung mit und vor allem nach den Vorstellungen der Regie zu erstellen, ist, zumindest bei der ersten Zusammenarbeit, dennoch unerlässlich. „Es ist ganz einfach so, dass der/die Regisseur/in selbst sehen muss, was nicht funktioniert, sonst glaubt er/sie es nicht und lässt die Ursprungsidee nur ungern sterben.“

Dem Kameramann Wolfgang Thaler, der die Schnittarbeit bei Erdbeerland erkannte, ist es zu verdanken, dass Roland mit dem in der Ukraine gebürtigen Cutter und Regisseur Juri Rechinsky zusammengekommen ist, mit dem er in einem langen Prozess von zweieinhalb Jahren an Ugly (UA/AT 2017) gearbeitet hat.

Trailer zu Ugly (AU/AT 207, R: Juri Rechinsky, 90 min) Kinostart: 02.03.2018

„Ich bin ein großer Liebhaber des Ugly-Ansatzes. Juri und ich haben uns nur einmal auf einen Kaffee getroffen, er hat mir die Festplatte gegeben. Ich hab’ mich zwei Wochen eingeschlossen, um mir das Material anzusehen – ohne jegliches Vorwissen. Ein Großteil war auf Russisch oder Ukrainisch, von dem ich kein Wort verstanden habe. Ich hab’ Juri dann in einem langen Email geschrieben, welche Geschichte sich mir erzählt hat, auch wenn nichts chronologisch sortiert war. Das hat ihm irgendwie gefallen und dann bin ich zwei Tage später nach Montenegro geflogen und hab’ begonnen zu schneiden. Es gab viele Fassungen, verschiedenste Zugänge, man hätte ganz viele Filme daraus machen können.“

Was einem gefällt und was einen anspricht, verändert sich ständig. Und wenn man sich so lange mit etwas beschäftigt, muss natürlich irgendwann Schluss sein: Nach intensiver Arbeit haben sich die beiden ein Testpublikum geholt, um zu schauen, was tatsächlich hängenbleibt. Letztlich haben sie auf dieses Publikum aber nicht wirklich gehört, gibt Roland zu: „Vor den ersten Screenings war Ugly zunächst viel narrativer erzählt. Uns ist die Geschichte irgendwann zu banal vorgekommen und wir haben immer mehr weggelassen, sodass der Film immer atmosphärischer und lyrischer wurde.“

„Das Zwischenmenschliche ist oft der eigentliche Lohn meiner Arbeit.“

Zeit und den Aufwand für ein solches Projekt bekommt man natürlich nie adäquat bezahlt – manchmal nicht mal durch die erhofften Reaktionen seitens des Publikums. Grundsätzlich wissen die Wenigsten genau, was Menschen im Schneideraum so tun: „Meine Eltern und viele andere Menschen glauben, ein Cutter ist der, der das Schnittprogramm bedient und die Bilder zusammenhängt.“ Die Wertschätzung und Beachtung, die Cutter bekommen, ist oft gleich null, obgleich sie nicht selten maßgeblich daran beteiligt sind, den Film völlig neu schreiben. „Das größte Geltungsbedürfnis sollte man deshalb nicht haben“, räumt Roland ein.

Die Arbeit ist auf verschiedenen Ebenen anstrengend, manchmal fällt es schwer, sich für den Film zurückzunehmen, eigene Ideen wegzuschieben, einzusehen, dass diese vielleicht nicht funktionieren und von vorne zu beginnen. Aber großes Kino und Kunst bemessen sich ja unabhängig von Budget, Rezeptionserfolg und Anerkennung. Roland will die Erfahrung, den emotionalen und ideellen Profit solcher Projekte nicht missen: „Man lernt viel und es macht einfach Spaß, so nah an der Entstehung eines Films dran zu sein – in jenen Momenten, in denen er wirklich zu leben beginnt. Dieses Erlebnis würde ich nur sehr ungern hergeben. Es ist außerdem großartig, auf diese Weise Freunde zu finden. Es geht den meisten Regisseur/innen ja um sehr persönliche Angelegenheiten. Die Hälfte der Zeit, die man mit ihnen vorm Computer verbringt, spricht man darüber, warum man etwas erzählen will, was einem wichtig ist. Das Zwischenmenschliche ist oft der eigentliche Lohn meiner Arbeit. Als Cutter muss man eine Mischung aus Psychiater und Architekt sein – man baut das Haus, aber der andere muss darin leben. Es ist sehr spannend, Menschen in diesem Prozess nah zu kommen.“

Auch wenn dieser Triumph sich nicht bei jeder Zusammenarbeit einstellen mag, gibt es etwas, was Roland größte Genugtuung bereitet: „Es gibt für kurze Zeit einen Moment, in dem die Regie nicht von ‚meinem Film’, sondern von ‚unserem Film’ spricht. Diesen Punkt zu erreichen ist wichtig, auch wenn das später natürlich wieder entkräftet wird. Aber wenn man während einem Testscreening über den Film spricht, ist es spannend zu beobachten, wie sich manchmal die Wortwahl verändert.“

„Wenn man’s auf den Schnitt reduziert, dann ist wahrscheinlich Atelier de conversation mein Darling.“

Bei so vielen realisierten Filmen und so viel investierter Zeit, stellt sich natürlich die Frage nach einem Lieblingsprojekt, einer Arbeit, auf die Roland besonders stolz ist: „Wenn man’s auf den Schnitt reduziert, dann ist wahrscheinlich Atelier de conversation (AT/FR/LI 2017, R: Bernhard Braunstein) mein Darling. Weil die Menschen einfach nicht glauben, dass alles mit nur einer Kamera gedreht wurde.“

Die Materialfülle, der Roland bei Bernhard Braunsteins Film Herr werden musste, ist immens: Aufgenommen wurden ca. 25 sogenannte Ateliers – jeweils einstündige Treffen in der Bibliothek des Centre Pompidou Paris, bei denen sich Menschen aus allen Erdteilen begegnen, um miteinander Französisch zu sprechen. Eine erste Ordnung schafft Roland schon seit Jahren mithilfe eines bewährten Systems: Wände, an denen er Frames oder Szenen anklippt, um sie so lange zu sortieren, bis die eigentliche Dramaturgie (ent-)steht. Sortierarbeit, die man macht, wenn man gerade nicht wirklich arbeiten möchte, erledigt Roland gerne, da man dabei den Gedanken freien Lauf lassen kann. „Ich schaufel auch sehr gerne Schnee, wenn ich an einem Film schneide. Das hilft mir meinen Kopf frei zu bekommen.“

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Sortierarbeit als Entspannungsarbeit: Wände voller Frames beim Schnitt zu Wolkenkratzerin, Lisa Webers aktuellem Film, und Roland beim Schneeschaufeln.

Auch bei Atelier sortierte Roland die Reaktionen der Protagonisten für den Feinschnitt in thematischen Timelines (diesmal am Rechner): „Die erste Timeline versammelte ‚lachen’, die zweite ‚verwirrte Blicke’, die dritte ‚weinen’ usw. – eine 5-Stunden Timeline, auf der alle 30 Sekunden ein neues Gesicht erscheint. Ich habe mir stundenlang nur Blicke angesehen und eine Version dieser Menschen in meinem Kopf kreiert. Atelier de Conversation ist sehr unaufgeregt gestaltet, doch der ganze Film ist eigentlich Montage, jeder Blick ist konstruiert. Man versucht jedoch den Menschen oder der Realität nahe zu kommen. Reaktionen müssen im Kontext des ganzen Films für jede Person authentisch wirken. Das ähnelt vielleicht noch am ehesten dem, wie man Spielfilme schneidet, das war Feinarbeit, denn normalerweise mache ich sehr grobe dramaturgische Arbeiten und bin nicht der Mensch, der an einzelnen Kadern lange hadert.“

Es entstand zunächst eine 4-Stunden-Fassung des Films, in der alle Themen, über die in den Treffen geredet wurden, enthalten waren. Die Entscheidung, was drin bleibt und was raus fliegt, war ein langer iterativer Prozess, kann aber nicht nur mit dem Verstand gelöst werden: „Wenn man sich das öfter anschaut, muss man sich auf sein Bauchgefühl verlassen: Man merkt, was man nach dem 30. Mal noch wie beim ersten Mal empfindet und das ist wichtig.“

Trailer Atelier de Conversation (AT/FR/LI 2017, R: Bernhard Braunstein, 72 min), Kinostart: 09.02.2018

Momentan arbeitet Roland an einem Langzeitprojekt mit Lisa Weber, mit der er bereits Sitzfleisch (AT 2014, 77 min) realisiert hat. Ambitionen, selbst Regie zu führen, hat er vorerst nicht, nicht zuletzt, weil er, wie er sagt, keine Ahnung hat, wie es an einem Set zugeht. „Darin hab’ ich keine Erfahrung. Aber was Schnitt und Dramaturgie betrifft, habe ich in den letzten Jahren viel gelernt.“

Ob er sein Leben lang als Cutter arbeiten will, weiß Roland nicht: „Manchmal brauch ich eine Abwechslung. Dann mach’ ich andere Projekte. Vor drei Jahren habe ich indische Roller importiert. Mir gefällt es einfach, sich einem Problem zu nähern und es zu lösen – aber das gehört ja auch zum Beruf des Editors. Ich hab’ auch schon als Croupier und als Weihnachtsmann gearbeitet. Weihnachtsmann ist sehr zu empfehlen: Die Kinder schauen dich an und glauben’s wirklich.“ – Ein Effekt, den bisweilen auch Rolands filmische Arbeiten auf das Publikum haben!

von Michelle Koch, Februar 2018
Alle Fotos zur Verfügung gestellt von Roland Stöttinger
Porträtbild von Marie-Thérèse Zumtobel

Weitere Arbeiten von Roland Stöttinger auf www.stoettinger.net