Fokus Jungproduzent/innen: Die richtigen Werkzeuge für das passende Projekt
Sichtweise

Fokus Jungproduzent/innen: Die richtigen Werkzeuge für das passende Projekt

Florian Krügel, September 2018

Florian Krügel studierte Filmproduktion an der Columbia University in New York und an der Filmakademie in Wien. Er arbeitet seit 2014 bei der DOR FILM Produktionsgesellschaft m.b.H.in Wien, wo er an Projekten wie Chucks, Hotel Rock’n’Roll, Baumschlager und aktuell an Hüseyin Tabaks Film Gipsy Queen als Producer arbeitet. Der Kinofilm The Dark, der im April 2018 beim Tribeca Film Festival in New York seine Weltpremiere feierte, ist Florians erste Produktion in der Rolle des Ausführenden Produzenten.

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Filmproduktion zu studieren, war für mich ein Experiment. Dass sich daraus dann im Lauf der Zeit eine Leidenschaft entwickelt und ein Beruf ergeben hat, hätte ich mir damals nie vorstellen können – so wie ich mir heute nicht mehr vorstellen kann, etwas anderes zu tun.

Die Zeit an der Filmakademie Wien war intensiv und lehrreich – ob sie mich aber auf die Filmbranche ausreichend vorbereitet hat, kann ich heute nur schwer beantworten. Der geschützte Bereich, der geboten wurde, war ein unvergleichliches Privileg, das sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich brachte. Eine gewisse Naivität und fast zwanglose Zeiteinteilung standen selbstauferlegtem Schaffensdruck und großem Ehrgeiz gegenüber.

Das Wichtigste und Wertvollste, das von dieser Zeit geblieben ist, sind die Menschen, die ich kennengelernt habe und mit denen ich gemeinsam an Filmen arbeiten durfte und darf, denn sie haben den größten Beitrag zum Entfachen meiner Leidenschaft für Filmproduktion geleistet und tun dies immer wieder aufs Neue.

Doch gemeinsam mit ihnen an Projekten zu arbeiten, ist eine Herausforderung. Die aktuellen Strukturen sind in vielen Jahren gemeinsam mit ihren langjährigen Begünstigten gewachsen. Hier als junger Filmschaffender oder junge Filmschaffende Fuß zu fassen, ist schwierig. Die richtige Balance zu finden, um sowohl etablierten als auch aufstrebenden FilmemacherInnen den Fortbestand zu ermöglichen, ist eine große Herausforderung für alle Seiten – wie die Lösung dafür aussehen könnte, weiß ich nicht.

Ich glaube aber, es ist auf jeden Fall dringend notwendig, dass es zu einem grundsätzlichen Umdenken in allen Bereichen der Filmproduktion kommen muss. Es stehen so viele verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, Geschichten auf verschiedenste Art und Weise zu erzählen, dass es nur unvorteilhaft sein kann, sich nur auf ein einzelnes Erzählformat wie den Kinofilm zu beschränken. Eine Offenheit muss aber auf allen Seiten der Filmbranche vorhanden sein, um auch erfolgreich alle diese unterschiedlichen Formate zu bedienen, denn die bereits niedrigen und immer noch sinkenden Kinobesucherzahlen der letzten Jahre zeigen eine deutliche Tendenz.

Aber auch ein direkter Vergleich von heimischen Filmen mit beispielsweise internationalen Blockbustern, die zumeist die Zuschauer-Charts anführen, macht hier keinen Sinn. Denn allein schon das Marketingbudget solcher Filme übersteigt oftmals das gesamte Budget österreichischer Produktionen – aber so einfach lässt sich der Grund für die sinkenden Zuschauerzahlen nicht finden, obwohl gerade in der Vermarktung noch ungenutztes Potenzial steckt.

Woran ich aber nicht glaube, ist, dass eine einfache Erhöhung des Werbebudgets für heimische Filme die Lösung der sinkenden Kinozuschauer zahlen sein kann – keineswegs. Trotzdem glaube ich daran, dass es der richtige Weg ist, schon viel früher ein Konzept zu entwickeln, wer den Film sehen soll und wie, wo und womit ich diese Personen erreichen kann. Und das muss weit über die simple Definition der Zielgruppe und das klassische Konzept der Kinostartkampagne hinausgehen und schon von Beginn an einen durchdachten Umgang mit dem Stoff, dem Film oder der Serie und all seinen Aspekten mit sich bringen.

Denn auch jedes unterschiedliche Format verfügt über seine Stärken, die gekonnt genutzt, und Schwächen, die umfahren werden sollten. Jeder Stoff, jede Geschichte, jeder Film oder jede Serie verfügen über ein Potenzial, das nur richtig eingeschätzt und zum Einsatz gebracht werden will. Dieses Potenzial zu entwickeln, benötigt seine Zeit. Denn nur jene Projekte, in die ausreichend Energie investiert wurde, um nicht nur die Grundbausteine, sondern eben auch das gesamte Konzept für einen Film oder eine Serie stimmig entwickelt zu haben, können erfolgreich sein. Daher glaube ich, dass der richtige Weg für eine in Zukunft funktionierende Filmbranche eine verstärkte Unterstützung in dieser Entwicklungsphase ist; bei einer gleichzeitigen, strengeren Überprüfung der Qualität und des Potenzials eines jeden Projektes.

Rückblickend auf meine Zeit an der Filmakademie, wurde die Schulung dieser Fähigkeit, die richtigen Werkzeuge für das passende Projekt zum richtigen Zeitpunkt zum Einsatz zu bringen, wahrscheinlich vernachlässigt. Aber wiederum befinde ich mich aufgrund meiner derzeitigen Position als Mitarbeiter in einer etablierten Produktionsfirma in einer vergleichbar privilegierten Situation, diese Erfahrungen zu machen, zu erlernen und wiederum anzuwenden. Umso mehr bewundere ich alle selbstständigen jungen KollegInnen um ihren Mut, den nächsten Schritt dieses Experimentes bereits gewagt zu haben.

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Veröffentlicht am 7. September 2018

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