„Es ist an der Zeit, geeignete Ausbildungsstätten für Szenen- und Kostümbild zu schaffen“
Sichtweise

„Es ist an der Zeit, geeignete Ausbildungsstätten für Szenen- und Kostümbild zu schaffen“

Hannes Salat, März 2019

Hannes Salat ist seit 1999 als Szenenbildner tätig. Er unterrichtet Szenenbild an der Filmakademie Wien und an der Universität für angewandte Kunst, Wien in der Klasse Bühnen- und Filmgestaltung. Auf der Diagonale 2019 war seine Arbeit u.a. bei der ORF-Serie M – Ein Stadt sucht einen Mörder zu sehen sowie beim Episodenfilm Don Who?, den Studierende der Angewandten realisierten und Hannes als Lehrender betreute. Er ist Vorstandsmitglied des VÖF – Verband österreichischer FilmaustatterInnen.

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Die Diagonale 2019 wird mir noch lange in Erinnerung bleiben. Nicht nur, weil ich mich wie schon so oft hier in Graz mit vielen KollegInnen in den ersten Frühlingstagen über den österreichischen Film austauschen durfte. Bei dieser Diagonale war ich nicht nur Gast, sondern wir konnten sie auch als Plattform nutzen, um über das nicht vorhandene Ausbildungsangebot für Szenen- und Kostümbild in Österreich zu informieren. Don Who?, ein Episodenfilm, der an der Klasse für Bühnen- und  Filmgestaltung der Universität für Angewandte Kunst produziert wurde, durfte hier Premiere feiern. Anlässlich dieses Films möchte über die Ausbildungssituation der Szenen- und KostümbildnerInnen in Österreich berichten.

Durch meine Lehrtätigkeit an der Filmakademie Wien und an der Klasse für Bühnen- und Filmgestaltung bin im Moment recht gut über die Arbeitssituation junger FilmemacherInnen informiert. Als großer Fan der Filmakademie freue ich mich, dass sich ganz viele erfolgreiche österreichische FilmemacherInnen dort entwickeln konnten.  Leider musste ich aber auch feststellen, dass den Studierenden bisher die Möglichkeit verwehrt blieb, sich innerhalb des Studiums auf theoretischer Ebene mit Szenen- und Kostümbild auseinanderzusetzen. Warum auch immer gab es dafür im Curriculum der letzten Jahre keinen Platz. An der Filmakademie arbeiten wir im Moment daran das zu ändern, sodass es im zukünftigen Studienplan unterrichtet werden wird. Doch selbst wenn die Studierenden wissen, wie sie mit diesen beiden wichtigen Departments zusammenarbeiten können, um einen Film zu gestalten, fehlen ihnen immer noch die auf diese Fachbereiche spezialisierten Studierenden. Leider wird weder Szenenbild noch Kostümbild für Film in Österreich ausgebildet!

Es gibt in den vier Bühnenbildklassen in Österreich einige Studierende, die sich auch für Film interessieren, aber Theater und Film unterscheiden sich in sehr vielen Bereichen. Ich finde, in einem so erfolgreichen Filmland wie Österreich wäre es an der Zeit, geeignete Ausbildungsstätten für Szenen- und Kostümbild zu schaffen. Seit kurzem ist das in der Schweiz und sogar in Kroatien erkannt worden, weshalb zumindest Szenenbild, als eines der Hauptdepartments, die das Aussehen eines Films maßgeblich beeinflussen, dort unterrichtet wird.

Über den Episodenfilm Don Who? hat sich zwischen den ca. 120 beteiligten Studierenden ein Netzwerk entwickelt, von dem diese nach wie vor profitieren. Immer wieder unterstützen sich die Beteiligten gegenseitig bei ihren Filmprojekten. Aber neben ihrem Studium haben die Bühnenbildstudierenden wenig Zeit, all die vielen Projekte, die ihnen von Seiten der Filmakademie angeboten werden, zu betreuen. Auch ich werde regelmäßig kontaktiert, um Nachwuchs-SzenenbildnerInnen zu vermitteln. Außerdem hat sich bei der Umsetzung von Don Who? gezeigt, dass verständlicherweise eine Institution, die sich hauptsächlich mit Theater auseinandersetzt, mit der Logistik von Dreharbeiten überfordert ist.

Den jungen FilmemacherInnen ist sehr bewusst, dass es ohne Szenen- und KostümbildnerInnen sehr schwierig ist, einen visuell ansprechenden Film zu machen. Sowohl der diesjährige Gewinnerfilm des Kurzspielfilmpreises der Diagonale, ENE MENE (R: Raphaela Schmid), als auch der letztjährige Preisträgerfilm ENTSCHULDIGUNG, ICH SUCHE DEN TISCHTENNISRAUM UND MEINE FREUNDIN (R: Bernhard Wenger) zeigen in ihrer Bildsprache, dass Szenen- und Kostümbild angemessen beachtet worden sind.

Ich weiß aber auch, wie schwierig es derzeit ist, solche Ergebnisse zu erzielen. Ein wenig provokant formuliert müssen sich junge FilmemacherInnen mit den im Moment verfügbaren Mitteln damit begnügen, in der Natur (bspw. Wald der Echos, R: Maria Luz Olivares Capelle), in der eigenen Wohnung oder in der Filmakademie zu drehen, um einen guten Film zu machen. Und alle DarstellerInnen müssen, egal welche Rolle sie spielen, ihre private Kleidung tragen.

Es freut mich sehr, dass unser Verband VÖF – Verband der österreichischen FilmausstatterInnen bei dieser Diagonale und auch beim Cinema Next Breakfast Club die Möglichkeit hatte darauf hinzuweisen, dass es an der Zeit ist, Ausbildungsmöglichkeiten für Szenen- und KostümbildnerInnen zu schaffen. Durch meinen Kontakt sowohl zu den jungen FilmemacherInnen an der Filmakademie Wien als auch zu vielen Bühnenbildstudierenden weiß ich, wie wichtig dieses Thema ist. Wie oft habe ich schon gehört, dass Regie-, Kamera- und Produktionsstudierende noch kurz vor dem Dreh mit Akkuschrauber und Malerpinsel beschäftigt sind, statt mit den SchauspielerInnen zu proben oder Auflösung zu machen. Dabei würde es unglaublich viele junge Menschen geben, die mit Leidenschaft die Drehorte und Kostüme gestalten wollen.

Uns ist bewusst, dass die Gründung eines Lehrstuhls für Szenen- und Kostümbild sowohl finanziell als auch logistisch eine große Herausforderung bedeutet, aber mit dem großen positiven Feedback der Diagonale sind wir bestärkt worden, weiter Bewusstsein zu schaffen und UnterstützerInnen zu suchen.

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Veröffentlicht am 27. März 2019